Was bewegt den Goldpreis?

Gold gilt als äußerst wertstabil. Trotz zahlreicher Kriege, Krisen und Währungsreformen blieb die Kaufkraft des Edelmetalls über die letzten Jahrtausende nahezu unverändert. So konnte man angeblich im alten Babylon, 600 v. Chr., für eine Unze Gold ungefähr gleich viel Laib Brot kaufen wie heute. Nichtsdestotrotz unterliegt auch Gold kurz- bis mittelfristig teils heftigen Preisschwankungen. Im zweiten Teil unserer Serie über das faszinierende Edelmetall werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Einflussfaktoren für die Goldpreisentwicklung.

Angebot und Nachfrage

Wie nahezu alle Güter unterliegt auch Gold den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Das heißt bei einer steigenden Nachfrage steigt der Preis und umgekehrt. Das Angebot von Gold ist im wahrsten Sinne des Wortes recht überschaubar. So entspricht die im Lauf der Geschichte geförderte Goldmenge von rund 180.000 Tonnen einem Würfel mit einer Kantenlänge von gerademal 21 Metern. Dies ist ungefähr die Menge Stahl, die heute pro Stunde produziert wird. Im Vergleich dazu werden pro Jahr derzeit rund 3.200 Tonnen Gold weltweit gefördert.

Der größte Nachfrager von Gold ist die Schmuckindustrie. Berechnungen nach ist sie für rund 50 % der weltweiten Käufe verantwortlich. Vor allem im asiatischen Raum ist das Interesse an dem Edelmetall ungebrochen. Jahrelang war Indien der größte Goldimporteuer, denn Goldschmuck ist dort ein beliebtes Hochzeitsgeschenk. Dies hatte zur Folge, dass der Goldpreis zu Beginn der Hochzeitssaison zeitweise nach oben ausschlug. Inzwischen hat allerdings China Indien als größten Goldkäufer abgelöst.

Ein großer Teil der Käufe wird von der chinesischen Zentralbank bestritten. Im Lauf der letzten 15 Jahre haben sich die Bestände auf insgesamt knapp über 1.800 Tonnen verfünffacht. Eine ähnliche Entwicklung ist in Russland zu beobachten – seit 2007 hat das Land seine Goldreserven auf fast 2.000 Tonnen mehr als vervierfacht. Kaum verändert haben sich dagegen die Goldbestände der USA und Deutschland. Nach wie vor verfügen die USA mit 8133 Tonnen vor Deutschland mit 3372 Tonnen über die größten Reserven. Weltweit horten die Notenbanken rund 32.000 Tonnen Gold.

Zinsen und Inflation

Da Gold als Anlageklasse keine Zinsen abwirft, können das aktuelle Zinsniveau sowie die voraussichtliche Entwicklung der Zinsen einen gewissen Einfluss auf den Goldpreis haben. Je höher die Zinsen sind, umso weniger Menschen haben Interesse in das Edelmetall zu investieren. Viele Anleger empfinden in solchen Zeiten Anleihen und Aktien als attraktiver. Befinden sich die Zinsen dagegen auf einem niedrigen Niveau fallen die Opportunitätskosten Gold zu halten geringer aus. Dies hat zur Folge, dass Gold als Anlage an Attraktivität gewinnt.

Gold wird auch immer wieder eine besondere Bedeutung in Zeiten einer steigenden Inflation zugesprochen. Da Gold in der Vergangenheit gezeigt hat, dass es extrem wertstabil ist und die Kaufkraft langfristig nahezu unverändert bleibt, liegt der Schluss nahe, dass das Edelmetall die Ersparnisse im Falle einer steigenden Inflation schützt. Ob Gold allerdings auch in Zukunft dieselben Eigenschaften aufweist ist ungewiss.

Krisenwährung

Allgemein gilt Gold auch als Versicherung in Krisenzeiten. 1980 erreichte das Edelmetall einen Höchststand als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte und der Kalte Krieg wie ein Damoklesschwert über der Welt schwebte. Als der Goldpreis im Jahr 2011 zum ersten Mal die 1.900-US-Dollar-Marke nach oben durchbrach, war die Griechenland-Krise aktuell und der Fortbestand der Europäischen Union wurde von vielen Marktteilnehmern in Frage gestellt. Seitdem sich diese Situation deutlich entspannt hat, ist auch der Goldpreis zurückgegangen. Neben den aktuellen Nachrichten und der geopolitischen Lage spielt vor allem die Stimmung der Anleger eine wichtige Rolle für die Preisentwicklung.

Unabhängig davon ob einer der oben genannten Faktoren oder vielleicht ein ganz anderer Punkt verantwortlich für die Entwicklung des Goldpreises ist, Anleger sollten Gold immer als langfristige Investition und als interessante Diversifikationskomponente ihres Portfolios sehen.